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Immer diese Beerepoots … – Mandantenzeitschrift tatort:steuern

Glosse

Immer diese Beerepoots …

Wahrscheinlich würde es jeder arbeitende Mensch begrüßen, sollte Gott der Herr eines Tages entscheiden, dass die Idee der Einkommensteuer mit seinen Schriften unvereinbar ist. Für die Familie Beerepoot aus Chudleigh, Tasmanien, ist dieser Tag bereits gekommen. In Matthäus 22,15 findet sich das Jesuswort „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ Die Geschwister Fanny Alida und Rembertus Cornelis Beerepoot interpretieren diese Bibelstelle folgendermaßen: Da alles, alles, ALLES Gott gehört, ist das, was angeblich des Kaisers ist, trotzdem Gottes Besitz, ergo maßt sich der Kaiser an, Gott gleich zu sein, ergo verstößt er damit gegen das erste Gebot, ergo lebt er in Sünde, ergo sind seine Steuern (alle Steuern) ebenso sündhaft und in letzter Konsequenz unzulässig. Die Strafe Gottes für diese Anmaßung sehe man schon jetzt in Form der immer schlimmer werdenden Dürren und Unfruchtbarkeiten im ganzen Land.

Schon einmal hatten die Beerepoots ihren Glauben über die australische Verfassung gestellt und sieben Jahre lang keine Grundsteuern für einen sehr hübschen blau-weißen Bungalow im nur we­­nige Kilometer entfernten Mole Creek bezahlt. Er gehöre nicht ihnen, so Rembertus und Fanny, er gehöre Gott, und Gott zahle nun einmal keine Steuern. Die Beerepoots lagen damit so falsch nicht und dann doch wieder sehr. Eigentlich gehören Haus und Land seit tausenden Jahren den Pallitorre Aborigines, die, durch Krankheiten dezimiert und von den Vorfahren der Beerepoots vertrieben, ebenfalls mit der Ungerechtigkeit der Besitzverhältnisse gehadert haben mögen. Auch das Finanzamt von Meander Council mochte den Argumenten der Beerepoots schon damals nicht folgen und pfändete Haus und Land wegen der läppischen Summe von 3.000 australischen Dollar. Gekränkt kehrten Fanny Alida und Rembertus Cornelis zurück auf ihre Melita Honey Farm und boten in ihrem Melita Honey Farm Café in Chudleigh weiter Honigverkostungen an, verkauften Honig- und Wellnessprodukte, waren sauber, zuverlässig und gottesfürchtig. Und zahlten weiterhin keine Steuern. Das fiel auch dem Australian Taxation Office auf.

Diesmal landeten die Beerepoots vor dem Hobart Surpreme Court, der (auf Teufel komm raus) keine Bibelstelle finden konnte, die die Zahlung von Steuern untersagt, und unter dem Vorsitz des ehrenwerten Richters Stephen Holt gegen die Geschwister und auf Zahlung von 2,327 Millionen Dollar entschied. Puh, das ist picke-packe viel Geld für eine einfache, honigverkaufende Familie aus dem nördlichen Tasmanien. Richter Holt hielt den Beerepoots zugute, dass sie wirklich aus Gründen des Glaubens und nicht aus denen der Steuervermeidung keine Steuern gezahlt hätten. Aber dennoch, so leid es ihm tue, seien sie vor dem Gesetz Steuerschuldner. Äußerst christliche zwar, aber trotzdem …

Die Leute in Chudleigh zeigen sich gespalten. Mandy Wyer, Leiterin des örtlichen Supermarkts, lobt die Beerepoots, die immer freundlich gegrüßt und mit ihren Honigverkostungen internationales Publikum nach Chudleigh gebracht hätten. Anwohner Rainier Howe befürchtet, dass die Geschwister es diesmal einfach übertrieben haben mit ihrer Gottesfürchtigkeit. Und Nachbarin Barbara Daw würde es das Herz brechen, wenn diese Stützen der Gemeinde nun ruiniert seien und ihr Café schließen müssten. Aber 2,327 Millionen Dollar! Das sei dann doch zu viel Geld, um es jemandem zu schulden. Chudleigh selbst schweigt. Die rund 350 Seelen zählende Gemeinde hat keine Schule mehr, kein Postamt, und auch die vier christlichen Kirchen haben schließen müssen, aus Mangel an Gläubigen. Der Glaube der Beerepoots ist stark. Aber er allein kann keine Kirche füllen. Wie wird es mit ihnen weitergehen? Werden sie ein Einsehen haben? Oder werden die Beerepoots die Christlichen Staaten von Chudleigh ausrufen und sich bis an die Zähne bewaffnet im Melita Honey Farm Café verbarrikadieren, um dort auf das nahende Jüngste Gericht zu warten? Wie so oft hilft da nur eins. Beten.