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Schon mal auf Modalverben geachtet? – Mandantenzeitschrift tatort:steuern

Schon mal auf Modalverben geachtet?

Wohl die wenigsten von uns sind sich bewusst, ob sie etwas wollen oder möchten, oder etwas sollen oder dürfen. Doch mehr Achtsamkeit bei der Wahl der Worte wäre wertvoll, denn wir legen uns damit jedes Mal fest – mehr als wir glauben.

Täglich benutzen wir beim Sprechen Begriffe, mit denen wir uns selbst eine Wirklichkeit konstruieren, ohne uns dessen bewusst zu sein. Dabei sind wir jeden Tag in der Weise, wie wir sprechen, welche Worte wir benutzen, mit „autohypnotischen Sprachmustern“ unterwegs und verfestigen damit jedes Mal Dinge, Ansichten oder Haltungen, an die wir auch glauben, ohne die Sinnhaftigkeit zu hinterfragen.

Häufig achten wir zwar darauf, WAS jemand sagt, aber selten darauf, WIE jemand etwas formuliert. Besonders deutlich wird dies bei der Nutzung der Modalverben: können, müssen, sollen, dürfen, wollen, mögen. Modalverben ändern den Inhalt einer Aussage – es ist zum Beispiel ein Unterschied, ob jemand etwas tun muss oder darf. Ein schöner Satz dazu stammt von Karl Valentin: „Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut“

Im Coaching braucht es eine Achtsamkeit für die „Idiolektik“ – die Eigensprache mit der wir uns individuell mitteilen und ausdrücken. Doch meist haben wir keine Reflexion, in welcher Weise und in welchen Worten wir über uns, unsere Beziehungen und über andere sprechen.

Das Tragische dabei ist, dass so gut wie niemandem dabei bewusst ist, wie sehr wir täglich mit diesen autohypnotischen Sprachmustern unterwegs sind. „Du kannst glauben, was Du willst. Am Ende wirst Du recht behalten.“ Oder anders ausgesprochen: „Das … wie Du es sagst, führt dazu, dass Du Dich selbst darin bestärkst. Dabei entdecken wir oft schlicht nicht die Freiheit, die wir sofort nutzen könnten.

In der nachstehenden Übersicht finden sich die sechs Modalverben:

Die Farben grün, gelb und rot sind bewusst gewählt, denn der Satz „das kann ich …“ oder „das will ich …“ hat eine andere Wirkung als „das muss ich …“ oder „das soll ich …“. Mit „können“ und „wollen“ ist meine Selbstbestimmtheit sehr viel weitergehend als bei „sollen“ und „müssen“.

Muss das wirklich so sein? Soll das wirklich die einzige Möglichkeit sein? Natürlich kann ich jedes positive Modalverb auch einschränken, es braucht nur das Wort „nicht“. „Da kann man nichts machen!“ Oder „Das will ja niemand!“ ist ebenfalls einschränkend.

Der dänische Familientherapeut Jesper Juul sagte einmal, er wünsche sich von deutschen Eltern in der Erziehung ihrer Kinder lediglich, dass die Eltern klar den Satz benutzen: „Ich will …“ oder „Ich will nicht …“. Dies sei das wichtigste, was Kinder an Vorbild brauchen.

Ich lade Sie ein: Achten Sie auf Modalverben! Und fragen Sie sich, ob das genutzte Modalverb wirklich hilfreich ist!

Volker Tepp arbeitet seit dem Jahr 2000 als Coach, Supervisor und Berater. Er ist examinierter Theologe und Diplom-Pädagoge und Mitglied in verschiedenen Beratungs-, Coaching- und Supervisionsfachverbänden und war von 2009 bis 2022 Vorstandsmitglied der EASC – European Association for Supervision and Coaching.

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